KI unterstützt, aber ersetzt nicht
Sonstiges Die Werkstätten des Salzburger Landestheaters arbeiten in einem Spannungsfeld, das vielen Bühnenbetrieben vertraut ist: zwischen künstlerischer Vision, technischer Realität, knappen Ressourcen und einem Repertoirebetrieb, der Höchstleistungen verlangt.
Für Werkstättenleiter Markus Srienz steht dabei ein Leitmotiv im Zentrum: Technik ist nie Selbstzweck, sondern immer Teil der Kunst. Maschinen sollen Künstler unterstützen, nicht ersetzen – und gleichzeitig die Reproduzierbarkeit der künstlerischen Qualität sicherstellen. Gerade im Repertoirebetrieb mit über 400 Vorstellungen pro Jahr ist diese Verlässlichkeit entscheidend. Während in der Entstehung einer Produktion oft mehrere Bühnentechnikerinnen beteiligt sind, kann im laufenden Spielbetrieb dank moderner Maschinerie häufig ein einziger Maschinist eine komplette Vorstellung präzise fahren. Die 2022 erneuerte Bühnentechnik reduziert so den Personalaufwand, ohne die Qualität zu beeinträchtigen.
Sinnvolle Ergänzung
Auch die kreativen Möglichkeiten verändern sich. LED Walls, Projection Mapping oder 3D Druck gehören heute selbstverständlich dazu – dürfen aber nicht das Bühnengeschehen dominieren. „Auf der Bühne sollen Schauspieler, Tänzer und Sänger stehen, nicht die Maschine“, betont Srienz. Dennoch müssen Theater auf veränderte Sehgewohnheiten reagieren: Jüngere Publika sind visuelle Dynamik gewohnt, und wenn man mit Technologie arbeitet, dann – so die klare Haltung – mit Qualität und nicht als digitale Notlösung.
Technik schafft zugleich Entlastung. Der 3D Drucker produziert nachts Teile, die der einzige Plastiker sonst nicht bewältigen könnte. Automatisierte Abläufe unterstützen die Personalressourcen und eröffnen teils neue Möglichkeiten. Trotzdem bleibt die handwerkliche Identität des Theaters erhalten: Auch Produktionen für die kleineren Spielstätten oder mit kleinerer Bühnenausstattung werden nach denselben professionellen Standards geplant wie große Opern- oder Musicalproduktionen.
Die langfristige Planung bleibt herausfordernd. Eineinhalb bis zwei Jahre im Voraus müssen Zeitfenster, Materialeinsätze und technische Ressourcen festgelegt werden – oft ohne zu wissen, welches Stück gespielt wird oder welche Anforderungen Regieteams mitbringen. Diese Unsicherheit verlangt permanente Balance zwischen Machbarkeit, künstlerischer Freiheit und den physikalischen Grenzen eines Hauses. Gleichzeitig zeigen einige Produktionen, wie technische Präzision den Betrieb entlastet: Ein massives Bühnenbild auf der Drehbühne lässt sich heute dank standardisierter Konstruktion innerhalb einer Stunde abbauen – eine Notwendigkeit im eng getakteten Repertoire.
Auch Nachhaltigkeit spielt eine immer größere Rolle. Theater recyceln traditionell seit Jahrzehnten Materialien und Bauteile – lange bevor der Begriff modern wurde. Die Novellierung des Umweltzeichens fordert dennoch Anpassungen, etwa beim Umgang mit Gefahrenstoffen oder in Materialprozessen. Jüngere Generationen bringen zudem von selbst mehr Umweltbewusstsein in die Werkstätten.
Gleichzeitig verändert sich die Personalwelt. Arbeitszeitmodelle wie die Vier-Tage-Woche wurden getestet, aber nicht beibehalten; viele Bewerber wünschen sich Arbeitszeiten, die mit dem Theater-betrieb schwer vereinbar sind. Lehrlinge brechen ihre Ausbildung häufiger ab – manchmal aus überraschenden Gründen. Andere entwickeln beeindruckende Laufbahnen: Ein ehemaliger Balletttänzer lässt sich nun zum Herrenschneider ausbilden und bringt wertvolles Wissen über die Anforderungen auf der Bühne mit. Regieteams und Bühnenbildner der jüngeren Generation arbeiten technikaffiner, fordern die Maschinerie heraus und inspirieren neue Lösungen. Aufgabe der Werkstätten ist es dabei, kreativen Teams den größtmöglichen Freiraum zu ermöglichen und gleichzeitig Grenzen von Physik, Sicherheit und Budget klar zu vermitteln.
Qualität als höchstes Gebot
Am Ende zählt das Versprechen gegenüber dem Publikum: Jede Besucherin hat Anspruch auf eine hochwertige Vorstellung – unabhängig davon, ob Premiere oder die zwanzigste Reprise. Technik macht dieses Versprechen täglich einlösbar. Und wenn am nächsten Tag ein kritischer Leserbrief erscheint, ist das für die Werkstätten kein Makel, sondern ein Zeichen: Es ist etwas passiert. Theater hat gewirkt. Dafür arbeiten sie – mit Maschinen, die unterstützen, aber die Kunst nie ersetzen.
– Red


