Angesichts der Hitzetage scheint die Liste lang: Klimaanpassung, erneuerbare Energien, Kreislaufwirtschaft, nachhaltige Beschaffung. Die Themen werden mehr, die Zeit nicht. Manchmal frage ich mich, wie man dabei den Faden nicht verliert.
Hitzetage
Ich fahre bei 36 Grad mit dem Zug nach Wien, um am frühen Nachmittag um 14 Uhr eine Vorstellung im Raimund Theater zu besuchen. Der Weg zum Bahnhof – nur mit dem Auto machbar. Der Zug – klimatisiert. Die gesamte U6 – klimatisiert. Das Theater ebenso. Ich fühle mich privilegiert.
Konflikt
Dennoch stressen mich die Zahlen zu immer neuen Hitzerekorden und die Fakten, die mich verfolgen, sobald ich Nachrichten einschalte und aufs Handy schaue oder mich auf sozialen Netzwerken bewege. Wie herrlich wäre es, einfach ins Kühle zu fliegen und mich mit all diesen Dingen nicht zu beschäftigen, das Leben zu leben, als wären das nur ein paar heiße Sommertage. Ein verführerischer Gedanke.
Ins Handeln kommen
Aber leider unbefriedigend und frustrierend. Daher entscheide ich mich erneut fürs Handeln. Und das muss ich jetzt nicht mehr allein tun. Ich habe in der letzten Kolumne darüber berichtet, aber mittlerweile hat das Netzwerk einen Namen: NÖTIG – Nachhaltige österreichische Theaterschaffende in Gemeinschaft. Ein Netzwerk, das Mut macht, die nächsten Schritte gemeinsam zu gehen. Musiktheater, Oper, Tanz und Konzert, alle „Performing Arts“ sind hier mitgemeint (aber dann hieße es ja NÖPIG).
Themen
Im Alltag konkurrieren Nachhaltigkeitsthemen mit Produktionsplänen, Premieren und Personalfragen. Umso wichtiger ist es, Kräfte zu bündeln. Denn viele Herausforderungen betreffen alle Häuser gleichermaßen. Gemeinsam können wir Erfahrungen bündeln und Standards entwickeln, die österreichweit tragen. Genau das zeigte sich beim zweiten Netzwerktreffen im Wiener Volkstheater.
Es ging um das österreichische Umweltzeichen für Messestand- und Dekorationsbau als zentrale Referenz für nachhaltige Produktionen. Tools zur Messung von CO2-Emissionen von Produktionen wurden vorgestellt (Green Stage und Dutch National Opera Green Deal Productions), um Produktionen nach ihrem ökologischen Fußabdruck zu bewerten und miteinander zu vergleichen.
Was ist also NÖTIG?
Als ich nach der Vorstellung wieder hinaus in die Hitze tre-te, hat sich an den Temperaturen nichts geändert. Aber an meinem Blick darauf schon. An diesem Tag habe ich mit drei Menschen über die nächsten Schritte gesprochen und gehe mit dem Gefühl nach Hause, dass wir diese Herausforderun-gen gemeinsam bewältigen können.
Was ist also NÖTIG? Nicht, dass jede Bühne ihre eigenen Lösungen entwickelt. Sondern dass wir unser Wissen teilen und gemeinsam handeln. NÖTIG sind wir alle.
NÖTIG – Nachhaltige Österreichische Theaterschaffende in Gemeinschaft
– MRN


