Datenschutz beginnt auf der Bühne!

Sonstiges Kolumne Compliance & Datenschutz

Silvia Schauer ist Chief Compliance Offi cer & Datenschutzbeauftragte der Bundestheater-Holding GmbH Eduard Ferencz

Es ist kurz nach 22 Uhr. Der Saal ist voll besetzt, ein leises Raunen liegt in der Luft. Kurz bevor der Vorhang fällt, wird noch rasch ein Foto vom Publikum gemacht als Erinnerung an den besonderen Moment.

Hinter den Kulissen liegen die aktuellen Dienstpläne neben Requisiten und Kostümteilen, irgendwo im Inspizientenpult steckt ein USB-Stick mit Ablaufplänen, Einsatzzeiten und Kontaktdaten. Alles wirkt routiniert. Alles gehört zum täglichen Betrieb in einem Haus, in dem Abend für Abend Magie entsteht. Gerade weil alles so selbstverständlich wirkt, wird oft übersehen, dass Datenschutz längst ein stiller, aber ständiger Begleiter des Theaterbetriebs ist.


Datenschutz? Klingt nach Büro und Formularen, dabei passiert er mitten im Livebetrieb. Backstage, vor der Bühne, beim Abbau um 3 Uhr morgens. Seit der DSGVO ist klar: Personenbezogene Daten sind nicht nur Kund:innendaten oder Newsletter-Listen. Es sind Namen auf Dienstplänen, Telefonnummern im Chat, Fotos mit erkennbaren Personen, Ausweise oder Gesundheitsinfos („Kollege X ist krank“). Kurz: Alles, was sich einem Menschen zuordnen lässt. Diese Daten entstehen im Veranstaltungsbetrieb laufend – nebenbei, unter Stress, immer ohne böse Absicht.


ABER: Nicht alles ist sofort ein DSGVO-Drama. Ein realistischer Blick hilft: Unkritisch sind meist Übersichtsaufnahmen ohne Fokus auf Einzelpersonen oder interne Kolleg:innen- oder Crewinfos mit begrenztem Zugriff.


Problematisch wird es bei offen herumliegenden Gästelisten, Badge-Fotos in Messenger Gruppen, Aufbaufotos mit klar erkennbaren Teammitgliedern oder ungesicherten Datenträgern. Wo zeigt sich Datenschutz-Compliance ganz konkret? „Compliance“ klingt zwar nach Großunternehmen, bedeutet bei uns aber einfach: Sorgfältig arbeiten und darauf achten, dass niemand zu Schaden kommt! Je mobiler und hektischer der Job, desto schneller geht Datenschutz unter. Darum braucht es einfache, robuste Prinzipien statt 30-seitiger Richtlinien:

  1. Was nicht auf die Videowall gehört, gehört auch
    nicht in die Chat-Gruppe.
  2. Gedruckt ist genauso riskant wie digital. Listen einsammeln, schreddern, nicht liegen lassen.
  3. Daten nur weitergeben, wenn es einen konkreten Grund gibt. „Falls wir es später brauchen“ zählt nicht.

Datenschutz ist kein Showstopper, aber ein respektloser Umgang mit Daten kann es werden. Für die Bühne, das Team und im Ernstfall auch rechtlich.
Die gute Nachricht: Wer im Livebetrieb Ordnung halten kann, kann auch Datenschutz. Man muss nur anfangen, ihn nicht als Bürokratie zu sehen, sondern als Teil einer professionellen Produktion. Fortsetzung folgt – backstage.

– SS

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