Wetter auf Bestellung
Bühne Frau Holle führt Kinder im Theater an der Wien an das Thema Klimawandel heran. Wir sprechen mit Bühnenbildnerin Anna Kreinecker über den Nachhaltigkeitsaspekt bei ihrer Arbeit.
Irgendwo zwischen Spinnrad, Duscharmatur und Rohrpostanlage entsteht das Wetter. So passiert es zumindest auf der Bühne des MusikTheater an der Wien, wo dieses Saison die Kinderoper Holle! zu sehen ist. Es ist eine Neuinterpretation des Märchenstoffs Frau Holle, in der die alte Dame nicht bloß Schnee schüttelt, sondern als universelle Wettermacherin das gesamte Klima im Gleichgewicht hält. Bis ein Stau in der Rohrpost alles zum Stillstand bringt.
Wiederverwendung von Materialien
Die Oper zum Klimawandel wurde interpretiert von Sebastian Schwab. Für das Bühnenbild ist Anna Kreinecker verantwortlich. Ihr Ansatz: Fast alles auf der Bühne war schon einmal woanders. „Bei ‚Holle‘ haben wir quasi ausschließlich mit vorhandenem Material gearbeitet“, sagt Kreinecker. Die Wände stammen aus der Produktion Ambletto, der Boden aus Theodora, die Requisiten und die Rohrpostanlage aus dem Fundus, der sich über Jahrzehnte im Haus angesammelt hat. Nur Konstruktionselemente wie die Rückseiten der Wände wurden neu aus Holz gebaut. „Ich denke, als Teil einer Generation, die ununterbrochen mit dem Klimawandel konfrontiert ist, stellt sich die Frage nach einem behutsamen Umgang mit Ressourcen in allen Lebensbereichen“, so Kreinecker.
Recherche im Fundus
Für sie beginnt bei ihrer Arbeit am Theater Nachhaltigkeit lange vor dem ersten Nagel: „Sehr viel Nachhaltigkeitsarbeit liegt in der Kommunikation im Vorfeld. Welche Standardmaterialien können verwendet werden? Welche Stücke werden nicht mehr gespielt, und können Materialien daraus umgebaut oder neu bemalt werden?“ Dazu kommt gezielte Recherche im Fundus. Kreinecker verbrachte im Vorfeld der Produktion viel Zeit zwischen alten Elektrogeräten und Haushaltsutensilien, auf der Suche nach Objekten, die sich zu Wettermaschinen umfunktionieren lassen. Dafür braucht es gewisse Kompromisse, die aber ausgezeichnet funktionieren können, so die Bühnenbildnerin. Das Bühnenbild spiegelt diesen Aspekt der neuen Frau Holle wider: In einem gemütlichen Kämmerchen stehen verschiedenste Maschinenwägen, mit denen das Wetter „produziert“ wird. Sie baut mit viel Fantasie und Planung aus allen möglichen Gegenständen, Elektrogeräten und Haushaltsutensilien ihre Wetterapparate.

Holle (c) Werner Kmetitsch 17
Tatiana Kuryatnikova (Holle)

Holle (c) Werner Kmetitsch 4
Manuel Ernst (Pech-Andy/Klarinette), Tatiana Kuryatnikova (Holle)

Holle (c) Werner Kmetitsch 12
Tatiana Kuryatnikova (Holle)

Manuel Ernst (Pech-Andy/Klarinette)
Bewusste Planung
„Wir hatten viel Spaß damit, uns von den alten und neuen Geräten inspirieren zu lassen und ihnen neues Leben einzuhauchen“, sagt Kreinecker. Sie hat in ihrem Job viel Handlungsspielraum, um schon bei Entwürfen Standardmaße einzuhalten, damit Produkte wiederverwendet werden können und den Materialeinsatz gering zu halten. Grenzen gibt es trotzdem – vor allem räumliche. Lagerplätze sind begrenzt, Koordination kostet Zeit. Und doch: „Gerade an Häusern, die mit kleinen Budgets arbeiten, spürt man eine Lust daran, Dinge möglichst vielfältig zu nutzen.“


