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Technologische Entwicklungen bestimmen zunehmend das Tempo der Veranstaltungsbranche. Ob Audio über IP, immersive Klangwelten oder energieeffiziente Bühnen – Technik prägt heute, wie künstlerische Erlebnisse entstehen und vermittelt werden.

© Bild generiert mit Midjourney

In den 1990er-Jahren blickte man beim Gedanken an das Jahr 2025 auf Zukunftsvisionen wie fliegende Autos oder Reisen zum Mars. Diese Zukunft ist anders gekommen: weniger spektakulär, aber dafür deutlich vernetzter. Laut aktuellen Marktbeobachtungen geht der Trend in der Eventbranche weg von standardisierten Produktionen hin zu maßgeschneiderten Erlebnissen. Dabei rücken das Wohlbefinden der Besucher:innen, Nachhaltigkeit und technische Flexibilität stärker in den Mittelpunkt. Nachhaltigkeitsmaßnahmen und energieeffiziente Lösungen halten zunehmend in allen Veranstaltungshäusern Einzug.

Diese Entwicklung wird begleitet von immersiven Technologien, von Augmented Reality bis hin zum verantwortungsvollen Einsatz künstlicher Intelligenz – etwa in der Planung, Simulation und Organisation von Produktionen. Auch der Einsatz von Projektoren, LED-Wänden und digitalen Medienflächen hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Die Branche bewegt sich dabei zwischen zwei Polen: Einerseits nehmen Technisierung und Digitalisierung stetig zu, andererseits bleibt das zentrale Erlebnis von Live-Präsenz unverzichtbar. Streaming-Formate während der Pandemie traten nur kurzzeitig an dessen Stelle – nichts ersetzt die Wirkung eines Abends im Theater oder bei einem Konzert.

Licht verändert sich

Im Bereich Lichttechnik verändern sich derzeit sowohl die Werkzeuge als auch die gestalterischen Ansätze. Aktuelle Trendstudien zeigen eine klare Bewegung hin zu dynamischen, vernetzten Beleuchtungssystemen. Smarte Steuerungen erlauben es, Farbe, Intensität und Bewegung von Lichtquellen in Echtzeit zu verändern – oft synchronisiert mit Ton und Projektion. LED- und Lasertechnik setzen sich zunehmend durch: Sie sind energieeffizient, wartungsarm und hochpräzise steuerbar.

Besonders das sogenannte „immersive Lighting“ prägt neue Konzepte. Licht wird nicht mehr nur als Mittel zur Ausleuchtung verstanden, sondern als gestaltendes Element im Raum. Es reagiert auf Musik, verändert Stimmungen oder wird interaktiv vom Publikum beeinflusst. Damit wird Beleuchtung zu einem integralen Bestandteil des Erlebnisses.

Der Mensch bleibt im Mittelpunkt

Martin Lukesch, Vizepräsident der Österreichischen Ton- und Musikgestalter:innenvereinigung (ÖTMV) und Leiter der Abteilung Ton- und Medientechnik der Volksoper Wien, betont: „Im Theater und Veranstaltungsbereich sind echte Künstler:innen ebenso wie qualifiziertes technisches Personal weiterhin entscheidend. KI und Cloud-Technologien spielen bislang eine untergeordnete Rolle im Live-Betrieb“, erklärt er. Trotz rascher technischer Entwicklungen bleibt also das Erlebnis von Präsenz, Atmosphäre und Interaktion zentral.

Gleichzeitig ist die wirtschaftliche Lage der letzten Jahre auch in der Kulturtechnik spürbar: Budgets und Ressourcen stagnieren oder gehen zurück, während der Innovationsdruck steigt. Das erfordert neue Denkweisen in Planung und Effizienz, ohne dabei den künstlerischen Anspruch zu verlieren.

Technik im Wandel

Lukesch berichtet von spürbaren Veränderungen in den technischen Bereichen. Klassische analoge Mikrofone sind weiterhin weit verbreitet – ergänzt durch digitale Modelle mit integriertem Signalprocessing und Netzwerkanschluss. In der drahtlosen Übertragung steht ein großer Umbruch bevor. Systeme auf Basis sogenannter „Wireless Multi-Channel Audio Systems“ (WMAS) ermöglichen deutlich höhere Kanalzahlen und effizientere Frequenznutzung. Erste Hersteller bringen entsprechende Geräte auf den Markt.

Auch im Bereich digitaler Audiotechnik setzt sich eine Vereinheitlichung durch. Früher existierten viele proprietäre Standards, heute laufen professionelle Audionetzwerke meist über standardisierte IP-Technologien. Systeme wie Dante, Ravenna, Milan, AES67 oder SMPTE 2110 prägen den Markt. Immer mehr kompakte Mischpulte lassen sich in solche Netzwerke einbinden. Dennoch mangelt es noch an einheitlichen Steuerprotokollen zwischen verschiedenen Herstellern – ein Punkt, an dem sich künftig die Praxistauglichkeit messen wird.

Effekte und Lautsprecher

Eine interessante Rückkehr im Lautsprecherbereich ist laut Lukesch die verstärkte Nutzung von Punktquellen anstelle Line-Arrays. Parallel dazu gewinnen immersive Beschallungssysteme an Bedeutung. Anbieter wie L Acoustics („L ISA“), d&b („Soundscape“) oder Adamson („Fletcher Machine“) bieten Systeme, die Klangquellen räumlich im dreidimensionalen Raum positionieren.

Was im Theater seit Langem bekannt ist – gezielte Platzierung von Klängen im Raum – erfährt nun eine technologische Erweiterung. Mit zentraler Steuerung und 3D-Simulation lässt sich der gesamte Lautsprecherverbund als zusammenhängendes Klangfeld berechnen. Systeme wie „Yamaha AFC“ oder „Amadeus Active Acoustics“ schaffen damit variable Raumakustiken und finden zunehmend Einsatz in Häusern und Festivals. Dabei kommen auch Tracking-Systeme für Darstellerinnen und Darsteller zum Einsatz, die Licht- und Tonpositionen dynamisch steuern.

Effekte und Raumklangbearbeitung verlagern sich zunehmend in den Softwarebereich – Reverb, Delay oder dynamische Prozesse laufen heute meist in digitalen Plug-ins. Immer häufiger werden diese Tools von KI-Algorithmen unterstützt, etwa um automatische Klanganpassung zu ermöglichen. Problematisch bleibt dabei, so Lukesch, das wachsende Angebot an Lizenzmodellen – für viele Theaterbetriebe sind sie langfristig schwer kalkulierbar.

Trotz dieser Herausforderungen bleibt das Publikum begeistert: Die Auslastungen großer Häuser wie der Volksoper, Staatsoper oder der Bregenzer Festspiele zeigen, dass Live-Erlebnisse unverändert hohe Relevanz haben – und die Verbindung von Mensch und Technik auch in Zukunft das Herz der Theatertechnik bilden wird.

-SG

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