Licht ist mehr als Beleuchtung: Es beeinflusst Sichtbarkeit, Atmosphäre und Raumwahrnehmung. In der Praxis bedeutet das den Einsatz von Lichttechnik, um Flächen zu modellieren, Schatten zu inszenieren und Blickachsen zu lenken. Die physikalische Dualität des Lichts – Welle und Teilchen zugleich – eröffnet dabei nicht nur philosophische, sondern auch gestalterische Dimensionen. Für technische Leiter:innen bedeutet das: präzise Steuerung, exakte Positionierung und die Beherrschung komplexer Farb- und Intensitätsparameter. Seit Jahrtausenden ist Licht ein Symbol für Macht und Spiritualität – von Sonnengöttern bis zu gotischen Kirchenfenstern. Heute wird Licht in der Kunst genutzt, um Räume neu zu definieren und Inhalte sichtbar zu machen. Die bewusste Lichtführung verändert nicht nur die Wahrnehmung, sondern schafft immersive Erlebnisse, die ohne technisches Know-how nicht realisierbar wären.

Coeln verändert dichroitische Gläser und verwendet sie als Filter, durch die sie polychrome Lichträume entstehen lässt. (© BHÖ/Victoria Coeln/Foto Helmut Prochart/Neue Burg der Hofburg/Heldenplatz/Wien 2025, Prospect)
Chromotopia Austria – Demokratie im Licht
Ein herausragendes Beispiel ist „Lichtblicke Österreichs – Chromotopia Austria“. Im Auftrag der Burghauptmannschaft Österreich verwandelt Coeln den Heldenplatz und die Neue Burg in Wien täglich in ein begehbares Lichtkunstwerk. Die Installation kombiniert präzise Lichttechnik mit gesellschaftspolitischem Anspruch: Sie macht den öffentlichen Raum zum Ort der Reflexion über Demokratie und Teilhabe.
Wiener Lichtblicke – Kunst als kollektives Erlebnis
Mit den „Wiener Lichtblicken“ schafft Coeln ein offenes Format, das internationale Künstler:innen, Partner:innen und die Bevölkerung einbindet. Die Chromotope – ortsspezifische Licht- und Medienkunstwerke – entstehen im öffentlichen Raum und laden zum intergenerationalen Austausch ein. Für die technische Umsetzung bedeutet das: mobile Stromversorgung, wetterfeste Installationen und flexible Steuerungssysteme für dynamische Lichtbewegungen.
Technische Herausforderungen im öffentlichen Raum
Anders als in Theaterräumen erfordert die Arbeit im Freien autarke Lösungen. Wetter, Sicherheit und Denkmalschutz stellen hohe Anforderungen an Material und Logistik. Langfristige Projekte müssen robust, wartungsarm und zugleich künstlerisch präzise sein. Hier zeigt sich die Schnittstelle von Kunst und Technik: Nur durch enge Zusammenarbeit entstehen Installationen, die sowohl ästhetisch als auch technisch überzeugen.
Coelns Chromotope bestehen nicht aus flächiger Beleuchtung, sondern aus Linien, Farbspektren und Rasterstrukturen, die Räume transformieren. Filterglas, performative Elemente und präzise Lichtführung erzeugen dynamische Perspektiven. Besucher:innen bewegen sich durch die Installationen, erkunden den Raum und erleben Licht als Erkenntnismedium – ein Zusammenspiel von Kunst, Technik und Interaktion.
Filterglas, präzise Lichtführung und perfomative Elemente erzeugen dynamische Perspektiven und transformieren Räume. (© BHÖ/Victoria Coeln/Foto Helmut Prochart/Neue Burg der Hofburg/Heldenplatz/Wien 2025, Prospect)
Coelns Projekte sind ein Lehrstück: Sie zeigen, wie Lichttechnik über klassische Bühnenbeleuchtung hinausgeht und ganze Stadträume inszeniert. Sie verdeutlichen, wie wichtig präzise Planung, Steuerungssysteme und interdisziplinäre Zusammenarbeit sind – und wie Technik zur Trägerin gesellschaftlicher Botschaften werden kann.
Victoria Coeln macht sichtbar, was Licht leisten kann – technisch, künstlerisch und gesellschaftlich. Ihre Arbeiten sind nicht nur Kunstwerke, sondern komplexe Projekte, die höchste Ansprüche an Lichttechnik und Raumgestaltung stellen. Für die Bühnentechnik bedeutet das: Licht ist nicht nur Mittel, sondern Medium – und es öffnet neue Horizonte für die Gestaltung öffentlicher Räume.
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