Der Hochzeitstag sollte eigentlich der schönste Tag im Leben für Susanna und Figaro werden. Doch alles geht schief. Don Basilio belästigt Susanna mit seiner Fürsprache für den Grafen, Marcellina will den alten Ehevertrag mit Figaro einklagen und Doktor Bartolo unterstützt sie dabei, auch aus altem Zorn gegen Figaro. Schaffen Susanna und Figaro es gemeinsam, diesen Tag zu retten? Le nozze di Figaro von Wolfgang Amadeus Mozart ist in Europa eine bekannte und viel gespielte Oper. Im Sommer 2025 verlud die Wiener Staatsoper die Bühnenbilder und machte sich damit auf den Weg nach Japan.
Fünf Aufführungen von Le nozze di Figaro sowie vier von Strauss‘ Der Rosenkavalier wurden im Tokyo Bunka Kaikan in Tokio aufgeführt. Mit dabei der Technische Direktor der Staatsoper Ulfried Grabner und ein Team von über 300 Mitarbeiter:innen aus allen Bereichen der Oper. Darunter waren aus den technischen Abteilungen 24 Bühnentechniker:innen, vier Personen aus der Requisite, sieben Beleuchter:innen, drei Personen aus der Tonabteilung, zehn aus dem Bereich Kostüm, zehn aus dem Bereich Maske, zwei Orchesterwarte und eine für die Logistik verantwortliche Person.
Transport über Kontinente
Besonders nervenaufreibend wurde es für Ulfried Grabner zum ersten Mal in Japan am Hafen. Er erklärt: „Bei jedem Gastspiel ist für mich der spannendste Moment, wenn die Container im Hafen geöffnet werden und erkennbar ist, in welchem Zustand das Bühnenbild nach der monatelangen Reise über das Meer ist.“ Die rund 12.000 km Luftlinie legte nicht nur das gesamte Bühnenbild zurück, das in Wien verwendet wurde. Die Set-Electric der Beleuchtung wurde aus Wien mitgebracht, Scheinwerfer wurden hingegen vom japanischen Produzenten zur Verfügung gestellt. Die gesamte Tontechnik wurde ebenfalls vor Ort ausgeliehen inklusive Mikrofonen, Mischpulten, Verstärkern, Lautsprechern, Kommunikationstechnik, Dirigentenbild, Kommandotechnik und so weiter.
Transportiert wurde das Material von Wien in High Cube Containern. Für „Le nozze di Figaro“ waren das neun Stück, für „Der Rosenkavalier“ acht Stück sowie ein Container mit Allgemeinmaterial. In den Hafen von Yokohama. Von dort wurden diese in Lkws zur Spielstätte in Tokio gebracht. Bis Yokohama kümmerte sich die österreichische Spedition Weiss, in Asien übernahm dann der japanische Spediteur Kühne+Nagel. Rund 1,5 Jahre waren die technischen Abteilungen im Vorfeld mit dem Team aus Japan in Kontakt, um das Gastspiel zu planen.

Rund 1,5 Jahre waren die technischen Abteilungen beider Länder in Kontakt um die Gastspiele zu planen. (© Kiyonori Hasegawa)
Kleine Bühne, große Präzision
Das Tokyo Bunka Kaikan liegt malerisch im Ueno-Park und gilt als eine der traditionsreichsten Spielstätten Japans. Die Bühne ist allerdings deutlich kleiner als jene der Wiener Staatsoper – Seitenbühne und Schnürboden sind niedriger, eine Portalbrücke oder Portaltürme fehlen völlig. „Wir mussten zahlreiche Dekorationsteile direkt im Bühnenraum lagern und die Szenenwechsel anpassen“, erklärt Grabner. Für die Beleuchtung wurden mobile Gerüste mit sechs Metern Höhe verwendet, die von den japanischen Kolleg:innen bereitgestellt wurden. Da keine Portalbrücke vorhanden war, mussten die Scheinwerfer an einer Schnürbodenlatte befestigt werden. Auch die Tontechnik erforderte kreative Lösungen. Da es im Bunka Kaikan keine medientechnische Grundausstattung gibt, musste die komplette Kommunikations- und Kommandotechnik inklusive Dirigentenbild, Mithör- und Mitseh-Systemen zusätzlich installiert werden. „Wir wussten erst drei Tage vor der Reise, welches Miet-Equipment wir vorfinden würden“, so Grabner. „Dank der hervorragenden Unterstützung der japanischen Kolleg:innen funktionierte aber alles reibungslos.“
Planung bis ins kleinste Detail
Die Stromversorgung in Japan erfolgt mit 110 Volt, weshalb Transformatoren eingesetzt wurden. Unterschiedliche Technikstandards spielten ansonsten kaum eine Rolle. Entscheidend war vielmehr die minutiöse Vorbereitung: „Kurzfristige Änderungen vor Ort sind kaum möglich. Dafür kann man sich darauf verlassen, dass alles, was einmal vereinbart wurde, perfekt umgesetzt wird.“ Kommuniziert wurde zu großen Teilen über den Dolmetscher vor Ort, was problemlos funktionierte. An den Aufführungen selbst wurde nichts geändert. Le nozze di Figaro und Der Rosenkavalier wurden 1:1 wie in Wien gespielt. Für Grabner und sein Team hatte das Gastspiel dennoch große Bedeutung: „Solche Auslandseinsätze sind nicht nur ein kulturelles Aushängeschild, sondern auch eine wertvolle Teambuilding-Erfahrung. Wir arbeiten dort enger zusammen als in Wien, übernehmen neue Aufgaben und lernen viel von den Kolleg:innen im Gastland, die unterschiedliche Arbeits- und Herangehensweisen an viele Dinge haben.“
Technik verbindet Kulturen
Schon vor mehr als 18 Jahren war der Technische Direktor bei einem dreimonatigen Gastspiel in Japan und brachte dort das Musical „Elisabeth“ der Vereinigten Bühnen Wien auf die Bühne. Nun durfte er erneut mit sechs japanischen Kolleg:innen zusammenarbeiten, die er von damals kannte. Neue Kommunikationsmöglichkeiten wie Online-Meetings, Internettelefonie und günstiges Unlimited-Internet erleichterten die Planung im Vorfeld erheblich, auch der Kontakt nach Wien blieb so während der gesamten Reise stabil. Für Grabner, der seit September 2025 Technischer Direktor der Wiener Staatsoper ist, war das Gastspiel auch persönlich prägend: „Ich konnte viel Zeit mit meinen Mitarbeiter:innen verbringen und sie auf eine Weise kennenlernen, wie es im Alltag in Wien kaum möglich ist.“
-SG

