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In Wien feierte im Oktober 2025 die neue VBW-Produktion „Maria Theresia – Das Musical“ umjubelte Weltpremiere. Wir haben Kostüm- und Maskenbildnerin Aleksandra Kica zum Gespräch getroffen.

Maria Theresia (Nienke Latten) und Franz Stephan von Lothringen (Fabio Diso) wurden in hochwertigen Stoffen wie Brokaten und Seiden eingekleidet. (© VBW Deen van Meer)

Maria Theresia steht im opulenten blauen Kleid vor Friedrich von Preußen. Er in einem schwarzen glänzenden Mantel, das Ensemble, das um sie herumschwirrt, trägt Korsagen, Hosen, vollen kurzen Röcken und Sneaker. Seit Oktober 2025 residiert eine neue Eigenproduktion der Vereinigten Bühnen Wien im Ronacher in Wien. Mit „Maria Theresia“ kommt die Lebensgeschichte der österreichischen Kaiserin fulminant als Musical auf die Bühne. Aleksandra Kica verantwortet sowohl Kostümdesign als auch Maskenbild und gibt Einblicke in die neue Produktion, die besonders im Kostümbereich einen spannenden Spagat zwischen dem Barock und modernen Kostümen schafft.

Aleksandra Kica, selbständige Kostüm- und Maskenbildnerin. (© Volker Schmidt)

Inspiration aus anderen Zeiten

Sie erzählt: „Das Barock selbst ist eine unglaublich faszinierende Epoche, modisch wie architektonisch. Es ist eine Zeit der Überfülle: Schichten über Schichten, Rüschen, Perücken, Schleifen, glänzende Knöpfe, Ornamente in jeder Form. All das wollte ich in meiner Gestaltung berücksichtigen, weil diese visuelle Opulenz ein wesentlicher Teil des barocken Ausdrucks ist.“ Ziel war es von Anfang an eine Brücke zu schlagen: „Zwischen der barocken Pracht und der modernen Ästhetik, zwischen historischer Referenz und heutiger Beweglichkeit. Die Kostüme sollten den Charakter der Zeit atmen, ohne in musealer Detailtreue zu erstarren.“

Bewegungsfreiheit

Besonders da in dieser Produktion viel getanzt wird, müssen die Kostüme robust und flexibel sein. Trotzdem wurden bewusst hochwertige Stoffe wie Brokate, Seiden und reich ornamentierte Stoffe verwendet. Die Kostümbildnerin erklärt, wie stark auch die moderne Musik eine Rolle spielt, die zum Teil aus gerappten Passagen besteht: „Diese musikalische Modernität prägt natürlich auch das Kostümbild: Sie fordert Leichtigkeit, Beweglichkeit und einen zeitgenössischen Ausdruck, der sich harmonisch mit der modernen Klang- und Bewegungswelt verbindet.“ Das bedeutet es benötigt dehnbare Stoffe, Materialien und bewegungsfreundliche Schnitte.

Ausdrucksstarke Farben

Das Stück „Maria Theresia – Das Musical“ zeigt nicht nur die Glanzzeiten, den Schmuck und die Schönheit dieser Zeit und des Lebens der Kaiserin, sondern behandelt auch Themen wie Krieg, Tod und Verzweiflung. Etwas, dass auch über die Kostüme ausgedrückt wird. Aleksandra Kica erklärt: „Das Barock ist geprägt von intensiven, oft kontrastreichen Farben und einer gewissen Lichtfülle, das wollte ich in den Kostümen sichtbar machen.“ „Besonders bei den Ensemble Kostümen habe ich darauf geachtet, dass diese hell fast wie mit einer Puderschicht erscheinen. Gleichzeitig dienen dunklere Töne dazu, düstere oder bedrohliche Stimmungen zu betonen und eine klare visuelle Trennung zwischen den Welten zu schaffen.“

Vereinigten Bühnen Wien präsentieren MARIA THERESIA – DAS MUSICALMusik: DIETER FALK UND PAUL FALK, Liedtexte: JONATHAN ZELTER, Buch: THOMAS KAHRY, Orchestrierung, Arrangements & Musical Supervision: DIETER FALK, Kreative Entwicklung: CHRISTIAN STRUPPECK, Sounddesign: CARSTEN KÜMMEL, Lichtdesign: BEN CRACKNELL, Kostümdesign & Maskenbild: ALEKSANDRA KICA, Bühnenbild & Videodesign: MORGAN LARGE, Choreografie: JONATHAN HUOR, Regie: ALEX BALGA, Musikalische Leitung: CARSTEN PAAP Mit:Nienke Latten (Maria Theresia), Fabio Diso (Franz Stephan von Lothringen), Moritz Mausser (Friedrich II. von Preußen), Annemieke van Dam (Madame Fuchs) Annemarie Lauretta (Kaiserin Elisabeth Christine), Dominik Hees (Kaiser Karl VI. / Michael Gabriel Fredersdorff), Andreas Wolfram (Kanzler Bartenstein), Amelie Polak (Marie Christine), Aeneas Hollweg (Joseph) Premiere 10.10.2025 im Ronacher

Die hellen Kostüme reflektieren das Licht und lassen die Bühne erstrahlen. (© VBW Deen van Meer)

Internationale Kostümproduktion

Die Arbeit an den Kostümen begann zur selben Zeit wie die Textarbeit und geschah in enger Zusammenarbeit mit Regisseur Alex Balga. Schnelle Kostümwechsel, Szenen, die ineinander übergehen oder nötige Bewegungsfreiheit werden schon in dieser Phase mitgedacht. Damit die Kostüme bei der Premiere und danach im vollen Glanz erstrahlen können, haben mehrere Werkstätten zusammengearbeitet: Einerseits die hauseigene Werkstatt der Vereinigten Bühnen Wien, dann eine weitere in Polen, eine in Österreich und eine in Deutschland.

 

-Interview von Sandra Gloning

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