Herr Paireder, während wir miteinander sprechen, wird an allen Ecken gearbeitet. Wo steht die Sanierung aktuell?
Paireder: Im Innenhof laufen die Abbruch- und Grabungsarbeiten für die neue Studiobühne mit eigenem Zugang, Vorplatz und Foyer – sie wird Platz für rund 80 bis 100 Personen bieten. Der neue Aufzug als zentrales Verbindungselement ist im Bau, die Umfassungswände sind bereits hergestellt, die Fertigstellung ist für das Frühjahr 2026 vorgesehen. Insgesamt liegen wir gut im Zeitplan – Ziel ist, im Sommer 2027 wirklich fertig zu sein.

Die historische Optik des Haupteingangs bleibt naturgemäß erhalten. (© EIDOS Architektur)
Gab es bisher Überraschungen auf der Baustelle?
Paireder: Einige. Wir haben im Bestand immer wieder auf nicht dokumentierte Leitungen oder unerwartet massive Wände gestoßen. Dazu kamen archäologische Funde, die die Arbeiten phasenweise verlangsamten – römische und keltische Relikte, sogar Münzen. Manche Bauabschnitte mussten wir komplett umschichten, damit wir im Plan bleiben.
Sie sanieren während des laufenden Spielbetriebs. Wie ist das überhaupt möglich?
Paireder: Wichtig ist in kleinen Schritten vorzugehen. Wir tauschen Strom, Wasser, Heizung, Lüftung und die gesamte digitale Infrastruktur stufenweise aus. Wenn dabei versehentlich eine Glasfaser- oder Stromleitung erwischt wird, steht ein ganzer Bereich still – das ist in den ersten Wochen öfter passiert. Deshalb haben wir Firmen permanent vor Ort, die sofort reagieren können. Genauso wichtig ist die Kommunikation: Die Belegschaft muss wissen, was wann passiert, ohne mit Details überfordert zu werden. Wir halten alle mit internen Infofoldern und kurzen Updates auf dem Laufenden.
Welche Ruhezeiten gelten im Haus?
Suttheimer: Laute Arbeiten dürfen grundsätzlich nicht in den Proben- und Vorstellungszeiten zwischen 10 und 14 Uhr sowie nach 19 Uhr stattfinden. Proben oder Vorstellungen, sollen ungestört bleiben – ganz lässt sich Baulärm natürlich nicht vermeiden. Das erfordert Fingerspitzengefühl von beiden Seiten: den Gewerken und dem Theaterbetrieb.
Kommen wir zur Veranstaltungstechnik: Welche Neuheiten sind konkret geplant?
Suttheimer: Bei Licht und Ton passiert enorm viel. In den Kammerspielen wurde im Sommer 2025 bereits die komplette Beleuchtungsanlage getauscht, 2026 folgt das Schauspielhaus. Wir erneuern sämtliche Verkabelungen, Anschluss- und Verteilerkästen sowie die Dimmeranlagen; durch die Umstellung auf LED reduziert sich die Zahl der Dimmerkreise deutlich. Außerdem führen wir ein einheitliches Steuerungssystem mit GrandMA-Pulten ein – identisch zum Musiktheater, was den Personalwechsel zwischen den Häusern erleichtert. Ersetzt werden auch das Blau- und Arbeitslicht; in den Kammerspielen kommen neue verfahrbare Seitenbeleuchtungsgerüste. Ein zusätzlicher Beleuchtungszug wurde durch das Denkmalamt im Bereich der Z-Brücke genehmigt und wird ebenfalls umgesetzt.

Im Zuge der Sanierung wird die gesamte elektrische Infrastruktur modernisiert: neue Verkabelungen, Anschluss- und Verteilerkästen sowie energieeffiziente LED-Dimmeranlagen. (© Frank Suttheimer)
Was ist konkret beim Ton geplant?
Suttheimer: Die Tonanlage der Kammerspiele wurde heuer komplett erneuert. Der bisherige Studio-Aufnahmeraum zieht in einen akustisch getrennten Bereich, um sauberere Aufnahmen zu ermöglichen. Die Inspizientenanlage wird erweitert und in die neuen Räume integriert. In der künftigen Studiobühne ist zusätzlich eine induktive Höranlage vorgesehen – ein wichtiger Schritt in Richtung barrierefreie Veranstaltungstechnik.
Welche praktischen Vorteile bringt LED-Technik?
Suttheimer: Die Einleuchtzeiten werden durch den Einsatz von Moving Lights deutlich kürzer, weil Positionen digital gespeichert und reproduzierbar sind. Bisher mussten Scheinwerfer mühsam noch manuell fokussiert werden; jetzt geht das mit wenigen Handgriffen. Der Betrieb wird effizienter und das Licht präziser. Gleichzeitig entstehen neue Anforderungen: Insgesamt mehr Server, mehr Netzwerke, mehr Steuerungstechnik – das verschiebt den Energiebedarf, auch wenn die Scheinwerfer selbst sparsamer sind.
Auch die Haustechnik wird modernisiert. Was passiert dort genau?
Paireder: Im Prinzip entsteht eine völlig neue Infrastruktur. Wir erneuern die gesamte Elektrotechnik im Backstage-Bereich, stellen das Allgemeinlicht auf LED um, tauschen Heizkörper, klimatisieren Proben-, Arbeits- und Büroräume und sanieren sämtliche Sanitärbereiche. Herzstück ist eine zentrale Energieversorgung über Wärmepumpen, die Abwärme aus der Tiefgarage nutzt. Damit können wir Heizen und Kühlen wesentlich effizienter steuern. Eine Photovoltaikanlage ist bereits vorbereitet – umgesetzt wird sie in einer späteren Ausbaustufe. Unser Ziel ist, den Energieverbrauch des Hauses um rund 25 Prozent zu senken.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Barrierefreiheit. Was ändert sich hier?
Suttheimer: Mit dem neuen Aufzug können künftig alle Bühnen und Lager stufenlos erreicht werden – ein Vorteil für alle Mitarbeiter:innen, insbesondere für unser technisches Personal, das keine Materialien oder Ausstattungsteile mehr über Stiegen tragen muss.
Paireder: Zwei alte Lifte werden stillgelegt und durch den neuen zentralen Lift ersetzt. Er ist so positioniert, dass alle Probebühnen ohne Stufen zugänglich sind – eine planerische Herausforderung, die sich aber gelohnt hat.

Frank Suttheimer (links) und Alfred Paireder (rechts) über die Sanierung im laufenden Betrieb. (© Manuele Bardelloni)
Wie wirkt sich die Sanierung insgesamt auf den Arbeitsalltag der Technik aus?
Suttheimer: Sehr positiv. Aufenthaltsräume und Kantine werden zukünftig neu angeordnet, die Haustechnik zieht aus dem Keller in zentrale Büros nahe den Bühnen. Das verkürzt Wege, verbessert den Informationsfluss und bringt Tageslicht in Arbeitsbereiche, die bislang im Untergeschoss lagen.
Paireder: Wir bündeln Funktionen, damit Abläufe reibungsloser werden. Außerdem werden die Bühnenböden im Schauspielhaus und in den Kammerspielen 2026 und 2027 erneuert – das sind Eingriffe, die man nicht alle Jahrzehnte macht.
Würden Sie so ein Projekt im laufenden Betrieb denn wieder wagen?
Suttheimer: Fragen Sie mich 2027 noch einmal (lacht). Es ist für alle Beteiligten und Betroffenen eine große Herausforderung.
Paireder: Es ist anstrengend, aber es lohnt sich. Wir schaffen ein modernes, energieeffizientes und barrierefreies Theater – und die Kunst kann dabei ununterbrochen weiterleben. Das ist immer noch das Allerwichtigste.
-Interview von Adrian Engel mit Frank Suttheimer und Alfred Paireder

