Modulare Bauweisen für Theaterdekorationen: Flexibilität trifft Nachhaltigkeit
Modulare Bauweisen eröffnen dem Theater neue Wege im Umgang mit Dekorationen und Bühnenkonstruktionen. Statt für jede Produktion neu zu bauen, ermöglichen sie flexible, wiederverwendbare Systeme, die sich aus wenigen Grundmodulen immer wieder neu zusammensetzen lassen – geometrisch oder funktional gedacht.
Das Ziel bleibt dabei stets dasselbe: weniger Materialverbrauch, geringere Kosten und ein wachsender Fundus an vielseitig einsetzbaren Bauteilen, wie auch das Theatre Green Book in seinem Toolkit zu nachhaltigen Produktionen beschreibt. Der Weg dorthin ist allerdings anspruchsvoll: Interoperabilität, robuste Verbindungen und durchdachte Standards entscheiden maßgeblich darüber, wie gut solche Systeme sich in der Praxis bewähren. Wer die Möglichkeiten und Grenzen modularer Einheiten kennt, kann kreative Prozesse optimieren, Materialien schonen und so langfristig zu mehr Nachhaltigkeit im Theaterbetrieb beitragen.
Am kommerziellen Markt haben sich bereits seit einiger Zeit Systeme wie HOAC, VENTUM-S oder Layher-Gerüste etabliert – um nur einige zu nennen. In einer österreichischen Theaterwerkstätte konnte zudem kürzlich erstmals der Einsatz eines in den USA entwickelten Systems namens ModTruss (powered by Mott) besichtigt werden, das interessante Möglichkeiten im Bereich flexibler Aufbauten bietet. Die einzelnen Module bestehen aus hochfestem Aluminium oder Stahl und sind auf allen sechs Seiten im 3-Zoll-Raster gebohrt – dadurch lassen sie sich flexibel und in jede Richtung verbinden, ganz ohne zusätzliche Eckverbinder. Durch die langlebigen Materialien, die Wiederverwendbarkeit und eine verschweißungsarme Konstruktion reduziert ModTruss den Materialverschleiß und trägt so zu einer nachhaltigeren Nutzung in Event- und Baupraxis bei. Im deutschsprachigen Raum vertreibt die Firma Mott mit Sitz in Tauberbischofsheim das System (mott.de, modtruss.mott.de); Mott ist zudem mit einem eigenen Stand (V5) auf der MEET 2026 vertreten.
Parallel dazu ist eine neue europäische Initiative bemerkenswert: das STANDARD-structures-Projekt des französischen Collectif 17h25 – jenes Kollektivs, das auch hinter dem System MOD 200 steht (siehe unten). Gemeinsam mit mehreren europäischen, vornehmlich französischen Theaterbetrieben entwickelt das Projekt ein hochflexibles, fein gerastertes und vollständig metrisches Baukastensystem für Bühnenkonstruktionen. Besonders spannend daran: Das Projekt verfolgt einen offenen, kollaborativen Entwicklungsansatz und adressiert damit grundlegende Probleme bestehender Systeme – nach aktuellem Wissensstand gibt es dafür noch keine kommerziellen Hersteller, was es zu einer interessanten Option für künftige Entwicklungen und Kooperationen macht. Begleitet wird das Projekt zudem von einer umfassenden europäischen Studie, dem „European State of the Art“: Aufbauend auf einer Vorstudie aus 2022 analysiert sie mit Beiträgen von zehn Opernhäusern unterschiedlicher Größe und technischer Ausrichtung bestehende Systeme, technische Standards und Betriebspraktiken in Opernhäusern und Kulturinstitutionen europaweit und gibt einen breiten Überblick über gängige Repertoire- und Standardsysteme im Jahr 2024.
Wer sich praxisnah über modulare Bausysteme informieren möchte, hat dazu in den kommenden Tagen Gelegenheit: Die Österreichische Theatertechnische Gesellschaft (OETHG) lädt für Dienstag, den 9. Juni 2026, um 10:00 Uhr zu einer Präsentation des modularen Truss-Systems MOD 200 in die ART for ART Dekorationswerkstätten der Akademie für Theaterhandwerk (1030 Wien, Arsenal Objekt 19) ein. Das ebenfalls vom Collectif 17h25 entwickelte System wird vor Ort von Hendrik Nagel und Bernadette Harrant vorgestellt. Die Einladung richtet sich insbesondere an Technische Leiter:innen sowie an die Vorstände der Dekorationswerkstätten. Nähere Informationen zum System erteilt Hendrik Nagel (ART for ART); organisatorische Auskünfte gibt Margitta Götz, Sekretariat/Rechnungswesen der Dekorationswerkstätten, unter T +43 1 51444-7301 bzw. margitta.goetz@theaterservice.at.
